Worker Participation 2030 – Die Zukunft der Arbeitsbeziehungen in Europa

Das Szenario-Projekt „Worker Participation 2030“ bietet Mitbestimmungs-Akteuren ein Forum, um sich über die Zukunft der Arbeitsbeziehungen in Europa auszutauschen. Vier alternative Szenarien erkunden die langfristigen Perspektiven und sich verändernde Kontexte für die Arbeitsbeziehungen – in ihren verschiedenen Ausprägungen – in Europa. In „Anticipartion Workshops“ können die Teilnehmenden die Szenarien erkunden.

Die Gewerkschaften stehen heute vor enormen Herausforderungen. Während Unternehmen häufig auf europäischer oder sogar weltweiter Ebene tätig sind, müssen die Gewerkschaften, trotz erheblicher Fortschritte in der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene in jüngster Zeit, weitgehend auf nationale Instrumente der Interessenvertretung der Arbeitnehmer zurückgreifen. Gleichzeitig nimmt der gewerkschaftliche Organisationsgrad in vielen Mitgliedstaaten weiter ab, nicht zuletzt aufgrund von Veränderungen in der Arbeitsgesellschaft, sei es durch den rasanten Anstieg prekärer Arbeitsverhältnisse, den Arbeitsplatzabbau in traditionell stark gewerkschaftlich organisierten Branchen oder Arbeitslosigkeit. Heute müssen sich Gewerkschaften sehr grundsätzliche Fragen stellen: Wen vertreten wir? Wie finanzieren wir unsere Dienstleistungen? Wie weit wollen wir in Entscheidungen einbezogen werden? Müssen wir konfrontativer werden oder uns kooperativ verhalten? Welche Hebel haben wir? Diese Fragen sind nicht neu, aber zahlreiche Entwicklungen weisen darauf hin, dass die Gewerkschaften neue Antworten finden müssen. Gleichzeitig ist die Arbeitnehmerbeteiligung nicht unabhängig von den allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie ist sowohl Ausdruck des Willens der Gesellschaft, die Bürger am Arbeitsplatz einzubeziehen, als auch ein wichtiges Instrument zur Gestaltung einer sozialen und demokratischen Gesellschaft.

Die im Rahmen des Projekts „Worker Participation 2030“ entstandenen Szenarien stellen vier mögliche ‚Zukünfte‘ vor. Sie umfassen allgemeine Entwicklungen auf der Makroebene ebenso wie Strategien und Handlungen von Menschen und Organisationen auf der Mikroebene, in erster Linie von Akteuren der Arbeitnehmerbeteiligung. Sie wurden im Rahmen eines rund einjährigen Szenarioprozesses von einer Gruppe von Menschen entwickelt, die sich mit Arbeitsbeziehungen befassen, aus verschiedenen Ländern kommen und aus unterschiedlichen Perspektiven (Gewerkschafter, Betriebsräte, Personalverantwortliche, Wissenschaftler) auf das Thema schauen.

Seit der Veröffentlichung der Szenarien fanden zahlreiche „Anticipation-Workshops“ mit Teilnehmern aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Hintergründen (Trainer, Praktiker, Eurobetriebsräte, Gewerkschaftssekretäre…) statt. Ziel dieser Workshops ist es, mit den Teilnehmern die vier Zukünfte von „Worker Participation 2030“ zu erkunden, gemeinsam über ihre (möglichen) Auswirkungen nachzudenken und sich darüber auszutauschen, welche Strategien und Prioritäten sich daraus ergeben.

Eine weitere Zielsetzung des Projekts ist es, ein interdisziplinäres europäisches Szenario-Netzwerk von Aktiven aufzubauen, die in ihrem Arbeitsumfeld mit Szenarien arbeiten, und sich regelmäßig über die Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Aktivitäten anzustoßen.

Unsere Aufgaben im Projekt:

  • Unterstützung bei Konzeptionierung, Vorbereitung und Durchführung des Szenarioprozesses
  • Projektbegleitung, Moderation der Szenario-Workshops und Mitarbeit im Kernteam
  • Mitherausgabe der Szenario-Publikation „Worker Participation 2030 – Four scenarios“
  • Entwicklung eines Leitfadens für die Arbeit mit Szenarien („Field Manual Scenario Buidling“)
  • Entwicklung eines didaktischen Konzepts für Anticipation-Workshops basierend auf den WP2030-Szenarien
  • Moderation mehrerer Anticipation-Workshops (unterschiedliche Zielgruppen und Nationalitäten)
  • Entwicklung von Trainingsmaterialien für den Einsatz in Szenario-Workshops
  • Aufbau und Begleitung eines Szenario-Netzwerks

Publikationen:

M. Stollt und S. Meinert (Hrsg.) (2010) Worker Participation 2030 – Four scenarios. ETUI: Brussels.
M. Stollt und S. Meinert (Hrsg.) (2012) Arbeitsbeziehungen 2030 – Vier Szenarien. ETUI: Brussels.
Beide Publikationen sind hier als (freier) pdf-Download und Print-Ausgabe erhältlich.

Michael Stollt, Sascha Meinert (2011) The scenarios „Worker Participation 2030“ : changing contexts for trade unions and employee representation in the future, Internationale Politik und Gesellschaft / International Politics and Society 2/2011 (pdf)